Ende April diesen Jahres war der erste Entwurf, hier nachzulesen und bebildert, nutzbar und ein langer Wunsch wurde Wirklichkeit, das FiveSpeed ging auf die Straße und begleitet mich seit dem fast jeden Tag. Einige Leute wollten einen Review, etwas an Infos und einen Rückblick, was ist gut und was würde ich ggf. anders machen. Hier ist er nun, der Review zum FiveSpeed.

Ich liebe es die Geschwindigkeit zu spüren, ohne Hüllen und aus eigener Kraft; besonders die Beschleunigung und das Brennen in den Beinen mag ich, es zeigt mir, dass ich lebe und ich spüre das Leben. Insofern war der Schritt zu einem 28er konsequent und lohnend. Bisher war ich grundsätzlich auf 26ern unterwegs; keine Straßentouren, immer im Gelände. Mit dem FiveSpeed änderte sich dies, was in erster Linie dem Weg an die Arbeit geschuldet war. Dafür habe ich es aufgebaut. Ich fahre täglich, 20km in jede Richtung und habe fast nur Asphalt unter mir und wenig Kampfzonen mit anderen Verkehrsteilnehmern. Ich suche die auch nicht, aber sie bieten sich ab und an. Dabei ist Fairness wichtig, trotzdem kann man dabei Spaß entwickeln und die eigene Kraft spüren. Darum ist es nicht ungewöhnlich, dass ich bis heute keine "Genusstour" mit diesem Rad gefahren bin; immer auf Speed. Ich liebe es diverse Leute zu überholen, den Wind beim vorbei ziehen und die schnelle aktive Reaktion zu nutzen.
Dafür ist das Rad super, schnelle Manöver; ein schmaler Lenker gibt mir die Freiheit eine Lücke zu finden und im Wind zu stehen. Die wenigen Gänge haben große Nachteile beim "rund" treten, machen es aber effektiv und einfach. Auf größeren Touren, 100 – 200km, sind fünf Gänge wenig; entweder hohe Trittfrequenz oder schwerer Tritt, dazwischen gibt es nicht viel. Die feinen Abstufungen des Rennrad gibt es nicht; alles ist die Kraft der Beine und des Kopfes. Trotzdem kann ich sagen, Touren machen Spaß. Ab und an kann ich mich daran gewöhnen. In der noch immer recht neuen Heimat gibt es die Möglichkeit lange Touren zu fahren und wenig Kontakt zu Autos zu haben, so dass man sich auf das Rad konzentrieren kann. Trotzdem sollte man diese Art des Aufbaus nicht mit einem klassischen Rennrad vergleichen und man wird als gewohnter Rennradfahrer die Gänge vermissen.

An der Ampel gilt es die Gänge im Auge zu haben. Das vergessen "Runter schalten" führt dazu, dass man beim Antritt den Blick der Bahnradfahrer imitiert und die Oberschenkel schnell sauer werden. Aber hier kann man mit dieser Nabe etwas Abhilfe schaffen; schalten im Stehen und das Rückwärts treten reichen um den Gang zu wechseln.

Die Wahl zur Nabenschaltung habe ich bisher nicht bereut; sehr pflegeleicht. Nach Außen keine störenden Teile in der Optik. Ein angenehmes Gewicht – Sprünge sind wunderbar machbar. Ich muss recht viele Bordsteinkanten hoch und runter und das Handling ist nicht wie beim 26er o.ö. – machbar; der schmale Lenker ist dabei nicht förderlich, auch nicht die Haltung, aber es geht mit etwas Gewöhnung gut und sitzt nun.
Die Entscheidung zu den MTP Pedalen war dabei ebenso förderlich; die fahre ich auf allen Bikes, das Händling kennt der Körper im Schlaf und auch der Notabsprung klappt damit gut. Auch hier bin ich sehr zufrieden.
Einzig das Einstellen der Schaltung ist nicht einfach. Viel Feingefühl gehört dazu, am besten beim Fahren fühlen, halten, nachstellen. Jeder Millimeter macht etwas aus und die fehlende Sicht auf das Schalten macht die Einstellung in der Werkstatt schwer. Aber etwas Gefühl und das Nachstellen beim Dehnen des Bowdenzug ist schnell unterwegs erledigt.
Die Fender sind spartanisch und lieber würde ich ohne fahren, schon wegen der Optik. Aber sie bringen etwas, sie schützen mich insbesondere in der Front und im Rückenbereich vor Feuchtigkeit, kein nasser Hintern mehr. Aber man muss wissen, dass das Vorderrad trotzdem Wasser abgibt, die Schuhe sind durch, das Schienbein auch. Also keine Fender für den Anzug zur Arbeit; eine Wechselkleidung oder Überzeug ist wichtig.
Komm zum Schluss … So weit so gut; aktuell kann ich nicht klagen. Es gibt kein Part, was ich nicht wieder so bauen würde. Die Campagnolo Parts sind pure Leidenschaft, dass können andere günstiger und ebenso gut; aber eben nicht für mich und dieses Rad. Die Nabenschaltung ist Geschmackssache; aber ich mag dieses Purismus und trotzdem den Komfort der fünf Gänge; ein wunderbarer Kompromiss. Die Räder haben bisher alles gegeben; keine Sorgen, keine Achten o.ä. und die Speichern sitzen fest. Die Form des Lenker entspricht meinem Stil, sie könnten maximal einem Bullhorn weichen; einen Rennlenker vermisse ich nicht. Ein Rad ist für mich mehr als das Vorankommen, pure Leidenschaft in mechanische Teile gesteckt, die ohne die Kraft und den Geist des Fahrers keinen Wert haben.
Eine neue Leidenschaft habe ich auch schon gefunden, ein Folgeprojekt – aber dazu vielleicht ein andermal.
Hallo,
super Artikel, aber ein paar mehr Bilder vom Rad - spez. den besprochenen Komponenten - hätte nicht geschadet.
Hast Du es eigentlich schon mal fixed probiert? Da bekommst Du ein noch intensiveres "Rad-Gefühl". Sinnlicher geht es nicht.
Schöne Grüße aus Berln
@Heiko: Ja, mit Bildern hapert es immer etwas. Diverse Sachen siehst du im ersten Artikel, wo ich die Parts auch vorstelle.
Fixie: ja, ich bin eine weile Fixie gefahren; finde darin auch viel Gefallen auf Grund des Purismus - aber, zu viele Aber im Bezug auf Sicherheit und Konzentration; insbesondere da ich massiv MTB o.ä. fahre, wo ich Bremsen gewöhnt bin und die Umstellung von 18 zu 26 und zurück ist schon genug; so dass ich die Fixie Welt nicht dauerhaft fahren wollte. Hinzu kommt Flehen und Bitten der Familie, die dafür keinerlei Verständnis hat
> schalten im Stehen und das Rückwärts treten reichen um den Gang zu wechseln ..
. Ansonsten freut es mich zu lesen, dass dein Konzept funktioniert und alltagstauglich ist. Was passiert denn im Winter? Erst einmal Grüße Matthias
Das ist doch mal was. Ich bin fest der Meinung - 5 Gänge reichen, es gibt ja sogar Leute die umradeln mit 11 Gängen die Welt: http://www.bikeradar.com/routes/article/interview-round-the-world-cycle-record-holder-vin-cox-29707/ Was deine hübsche Holzverkleidung betrifft - sehe ich das richtig mit der "Wäscheleine" ? - Raceblades könnten tatsächlich die Funktion des Wasserschutzes übernehmen
@Matthias: oh, ich habe gar Berichte von Leuten gelesen, die bewusst mit einem Fixie über die Alpen gefahren sind; aber da muss schon einiges im Kopf passieren. Danke für den Link, cool.
Im Winter fahre ich weiter, bis zu viel Schnee liegt oder Dreck, da ist mir das Rad zu schade und dann kommt das 26er wieder zum Zuge. Damit habe ich ein besseres Händling und die Parts sind besser in der Pflege, Stahl und Winter passen noch weniger als mit Alu.
Danke für den Beitrag
Sag mal, der Sattel ... wie kommt es dazu? Der wirkt optisch eher komisch. Ist das was altes oder hat das nen speziellen Grund?
qMarkus: Absicht, das ist das Original aus den 80ern, daher nicht so schlank wie gewohnt; aber recht angenehm.
Aber wenn schon 80er dann aber der Selle Italia Turbo Sattel, weiß, gelocht! Der passt super dazu. Hab ein ähnliches Rad mit Romani Frame aber Single Speed! Schwalbe Reifen mag ich nicht, schwöre auf Conti! Und wie ich sehe fehlt dir auch die Abdeckkappe am Vorbau! Ist die auch zum einschrauben?
@Marco: Der Sattel ist das Orginal, ansonsten sehr gern, würde super passen. Bei den Reifen kann ich aktuell nicht klagen, aber Conti wurde nun schon mehrfach empfohlen, werde also mal Testen, bin da nicht festgelegt; war eher der Bekanntheit geschuldet und dass viele Single Speed den Schwalbe fahren. Ja, Abdeckkappe fehlt leider; bin bisher auch noch nicht auf eine Campa gestoßen? Die ist nicht zum Schrauben, da liegt die Schraube drunter und vermutlich ist das nur der einfache "Gummimupfel".
Hallo Frank,
beide Artikel sind sehr interessant und aus meiner Sicht gut bebildert.
Eine Frage: welche Reifenbreite fährst Du auf dem Rad?
Gruss, HF
@HF: danke für das Lob, ivh fahre 23mm -- 23-622
Naja, da kann man nur zum Unikat gratulieren. Herzlichen Glückwunsch
Hallo,
habe auch schon mit dem Gedanken gespielt, mir mal ein individuelles Rad zusammen zu stellen. Hat bisher aus Zeitgründen nicht geklappt, aber so ein Bericht von dir motiviert mich dazu mal wieder.
Hallo,
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schönes projekt... wollte sowas letztes jahr auch mal machen. Hab mich auf ebay nach alten renn-rahmen umgeschaut... und mich dann zum schluß doch für ein neues vorkonfigueriertes fixie entschieden ansatt selbst zu basteln. Mit der konsequenz, dass ich es fast nie fahre
werde es nun irgendwann neu aufbaeun. Die 5 gänge find ich gut. Im flachen berlin kann man sicher gut mit einem single-speed. Aber auf eienr bergigen anfahrt zu arbeit bauch ich das nicht. schon gar nicht wenn dabei von jeder oma mit 20-gang überholt werde
aber so ein rad ist was für kenner und ist understatement... die meisten halten es einfach für ne olle schrammel der die gänge fehlen. hats schon mal überlegt den rahemn komplett zu lackieren.