Autorengespräch mit Peter Müller – „Little Boxes, Webseiten gestalten mit CSS“

Gab es Abschnitte oder Momente beim Schreiben, die du besonders in Erinnerung hast?
Little Boxes. Webseiten gestalten mit CSS. Grundlagen

Als ich mit dem Schreiben begann, habe ich lange nach einem Titel gesucht, bis mir irgendwann klar wurde, dass das dann wohl „Little Boxes“ sein muss. Ich habe den Song schon vor vielen vielen Jahren gesungen,

Bei meinen Recherchen Anfang 2006 bin ich im Internet dann auf „Weeds“ gestoßen, eine amerikanische Serie mit „Little Boxes“ als Titelsong. Ich habe die Serie noch nicht gesehen, aber bei YouTube gibt's den Vorspann. Jedenfalls kommt Anfang März pünktlich zur neuen Ausgabe von „Little Boxes“ diese Serie bei Pro7, sodass demnächst ein Teil der Bevölkerung nicht nur „Little Boxes“ lesen sondern auch singen oder pfeifen wird. Ist ein echter Ohrwurm. Reiner Zufall, aber ich freue mich jetzt schon auf die Serie, zumindest auf den Vorspann 😉
Ich habe übrigens ein paar Web-Worte zu der Melodie geschrieben. Der Text steht schon im Blog, und wer weiß, vielleicht wird das demnächstens mal irgendwo zu hören sein.

Gibt es einschlägige Erlebnisse mit diesem Buch, nach dem Veröffentlichen?

Ein besonderer Moment nach der Veröffentlichung waren die ersten positiven Rezensionen bei TheStyleWorks.de und in der Technikwürze von David Maciejewski.
Sting wurde in einem Interview mal gefragt, wann er das erste Mal das Gefühl hatte, das The Police den Durchbruch geschafft haben, und er sagte „Als ich in einem Hotelzimmer auf dem Bett lag, und der Fensterputzer draußen Roxanne vor sich hin sang“. So ähnlich habe ich mich bei diesen ersten Rezensionen gefühlt.
Nach dem Schreiben hatte ich überhaupt keinen Abstand mehr zum Text, und dann schwankt das wie bei schwerem Seegang immer hin und her zwischen „Mmh, echt gut“ und „Was ein Scheiß“. Als aber die ersten Leute das Buch gelesen und für gut befunden hatten, kam langsam aber sich das Gefühl von „Yep. Ist gut geworden.“

Ein Buch schreibt man nicht so nebenbei und aus Langeweile. Wie und von wem gab es Unterstützung? Wer musste in der Zeit des Schreibens besonders auf die verzichten oder hat dich beim Schreiben unterstützt, dir den Rücken frei gehalten?

Meine Frau Karin, der die neue Ausgabe auch gewidmet ist. Beim ersten Mal wollte sie das nicht. Nur in ein „richtiges“ Buch, nicht bei so 'nem Computerding. Dieses Mal habe ich gar nicht erst gefragt, und sie fand es doch gut. Das „richtige“ kommt dann später mal 😉 .
Ansonsten arbeite ich seit fast zwei Jahren Teilzeit, unter anderem, um mehr Zeit zum Schreiben zu haben, und das werde ich in diesem Jahr bestimmt noch weiter ausbauen.

Was hat dir die Arbeit an dem Buch persönlich gebracht und wie hast du dich eventuell im Bereich Arbeit oder Person geändert?

Schreiben destilliert Gedanken, und dabei verändert sich vieles.
Fachlich gibt es immer wieder Sachverhalte, die einem scheinbar klar sind, bei näherer Betrachtung aber noch Unklarheiten enthalten. Wie oft habe ich float und clear benutzt, ohne es wirklich zu verstehen? Oder die Kaskade? Ich habe mich jahrelang gefragt, was genau das eigentlich ist. Beim Schreiben wird das deutlicher und klarer. Das wie Entknoten.
Persönlich, weil ich das Schreiben aus den verschiedensten Gründen forcieren möchte, und so gesehen war 2006 kein schlechter Anfang …

Zum Buch gibt es die passenden Beispieldaten auf der zugehörigen Website. Warum hast du dich für diesen Weg entschieden und nicht eine CD beigelegt?

Bei Books on Demand ist das nicht so ohne Weiteres möglich, und die paar Beispieldateien, dafür lohnt sich keine CD. Was soll da sonst noch drauf? Zum tausendsten Mal Editoren und Referenzen, die online doch meist schon in einer neueren Version vorliegen? Eine CD als Buchbeilage sollte schon einen richtigen Nutzwert haben. Dann lohnt sich das.

Wer mit dem Gestalten von Webseiten mit Hilfe von CSS beginnt, wird schnell mit den Problemen der einzelnen Browser konfrontiert. Das Layout einer Website ist immer ein Spagat zwischen dem Wunsch des Designers und den Möglichkeiten der Browser. Welche Tipps hast du für den Anwender, um Fehler zu vermeiden und was sollte man bei den Browsern beachten?

Wenn die Browserbugs nerven: YAML.
Ansonsten habe eigentlich ich nur einen Tipp: Guter Inhalt! Verbringt mehr Zeit mit dem Inhalt als mit der Gestaltung der Site. Die Besucher kommen wegen des Inhalts, nicht weil die Navigation so hübsch geworden ist.
Und sie kommen wieder, wenn Ihnen der Inhalt gefällt und die Site gut zu benutzen ist. „Don't Make Me Think“. Das oberste Motto beim Erstellen von Webseiten. Websites sind keine Gemälde, sie werden benutzt und nicht betrachtet.

Das Buch ist ein Anfang, nun kommt die Arbeit des Lesers hinzu, um ein fähiger Layouter zu werden. Welches Engagement bietest du dem Leser darüber hinaus?

Hinten im Buch sind ein paar weiterführende Links. Die Blogs der meisten Webkrauts sind lesenswert, und auch auf meinen eigenen Websites gibt es weitere Anregungen.
Und Seminare natürlich. Wie sagte mal eine Teilnehmerin: „Das einzige was noch besser ist als deine Bücher sind deine Seminare.“ Jederzeit gerne - Kontakt. Kostet allerdings etwas mehr als das Buch.

Gibt es spezielle Werkzeuge oder Tools/Editoren, die du dem Anwender ans Herz legen möchtest?

CSS bearbeite ich immer noch am liebsten mit TopStyle. Nick Bradbury macht einfach tolle Programme. In den 90ern habe ich HomeSite als HTML-Editor benutzt (da habe ich sogar mal ein Buch drüber geschrieben), dann TopStyle für CSS und jetzt auch noch FeedDemon als Feedreader. Leider alles nur für Windows.
Bei den Firefox-Erweiterungen natürlich die Web Developer Toolbar und Firebug. Beide erleichtern insbesondere die Fehleranalyse enorm.
Aber das sind alles nur Werkzeuge. Solange man nicht begriffen hat, was Webseiten sind und wozu Quelltext da ist, nützt auch das beste Werkzeug nichts.
Ich habe schon zu oft Leute mit Frontpage oder Dreamweaver kämpfen sehen, die ihre Zeit besser in das Lernen von Know-How investiert hätten.

Das Weblog zum Buch wird mit WordPress betrieben – warum hast du ich für WordPress entschieden?

Zuerst wollte ich gar keine Extra-Site, sondern alles über infotekten.de machen. Dann habe ich eine Mini-Site mit ein paar statischen Seiten gebaut, und schließlich brauchte ich dann doch ein einfaches Blog-Tool. Da ist WordPress genau richtig. Der 5-Minuten-Blog. Zumal mein erster Blog mit b2 lief, dem Urahn von WordPress.

Deine private Seite wird mit dem YAML-Framework von Dirk Jesse betrieben – auch hier wüsste ich gern, warum du dich dafür entschieden hast?

YAML spart einfach viel Nerv und Zeit – vorausgesetzt man kann HTML und CSS und hat die Dokumentation gelesen (und verstanden).
Ich habe es Anfang 2006 erstmals in einem Projekt eingesetzt, das inklusive allem Drum und Dran innerhalb von vier Tagen online gehen sollte. Ohne YAML hätte ich das nie geschafft. Seitdem setze ich es eigentlich bei allen Sites ein, ausser bei little-boxes.de, das ist so gebaut, wie es im Buch beschrieben wird.

Gibt es weitere Ideen oder Impulse um ein neues Buch auf den Markt zu bringen? Was sind deine Wünsche für das Jahr 2007, beruflich und persönlich?

Beruflich: Weiter schreiben. Eine englische Übersetzung von „Little Boxes“ liegt an. Einige Artikel hier und da. Der Gedanke an ein Buch mit dem Arbeitstitel „Der Plan – von der Idee zur Site“ schwelt seit einiger Zeit im Hinterkopf. Eine Fortsetzung zu „Little Boxes“ vielleicht. Ideen gibt's mehr als genug.

Persönlich: Balance halten. Ich arbeite manchmal zu gerne, habe mir aber vorgenommen, genügend Zeit mit Frau, Familie und Freunden zu verbringen. Glück kommt nicht durch Erfolg oder Wohlstand. Carpe Diem.

Ich danke dir recht herzlich für die genommene Zeit und die interessanten Antworten. Ich empfand es als sehr angenehm und spannend, mich mit dir zu unterhalten und bin froh, dass du mich damals über meine Weblog angeschrieben hast. Ebenso danke ich noch mal für dein Buch, welches nun einen noch höheren Wert für mich hat.
Ich wünsche dir ein erfolgreiches und glückliches Jahr und danke noch mal recht herzlich.

4 Kommentare

  1. Ich hatte ja das Glück hier die in Anführungsstrichen alte Version des Buches zu gewinnen und muss sagen, dass es so geschrieben ist, dass auch ein Laie die manchmal schwierige Materie verstehen und vor allem umsetzen kann.

Kommentare sind geschlossen.